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Planungs-Büro für naturnahe Freiflächengestaltung, ökologische Exkursionen und Naturschutz

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    Erfahrungen: 

    Bürgerbeteiligung an der Grünplanung im neuen Freiburger Stadtteil Vauban

    Aufgabe, Situation und Beteiligte

    Im neuen Stadtteil Vauban hat die Gemeinde Freiburg fünf Grün- und Spielbereiche angelegt, die Grünspangen genannt werden. Sie liegen zwischen jeweils zwei Häuserzeilen, sind 2.000 bis 2600 Quadratmeter groß und bis auf eine mit mehreren hohen Bäumen bewachsen. Die Grünspangen sollten mit Beteiligung der Anwohnerinnen und Anwohner  ‚naturnah' gestaltet werden - im Rahmen des neuen Konzepts des Freiburger Amtes für "Stadtgrün und Friedhöfe", wie das Gartenamt heute heißt (im folgenden kurz “Stadtgrün” genannt). Seit 1996 werden neue städtische Spielplätze auf diese Weise angelegt und ältere einer nach dem anderen umgestaltet.
    Nachdem im Stadtteil Vauban bereits die ersten Wohnungen bezogen waren, hatte Stadtgrün 1998 ein Landschaftsplanungsbüro mit der Erstellung eines Vorentwurfs für alle fünf Grünspangen beauftragt. Das Büro legte Vorschläge für die Verteilung von Plätzen, Ruhe-, Grün- und Spielbereichen sowie Wasserstellen vor, die dann in der ARGE Freiräume und Jugend  vorgestellt, besprochen und schließlich von der Verwaltung beschlossen wurden.
    Die Planung der einzelnen Grünspangen einschließlich des Beteiligungsprozesses hat die Stadt, vertreten durch die Kommunalentwicklung LEG, an verschiedene Landschaftsplanungs- bzw. Gartenarchitekturbüros vergeben, die bereits Erfahrung sowohl in der naturnahen Gestaltung als auch in der Zusammenarbeit mit PädagogInnen zur Moderation der AnwohnerInnen-Beteiligung hatten.

    Gestaltung der Kommunikation

    - Ziele und Vorgaben

    Durch die Beteiligung an der Ideenfindung sowie teilweise auch an der Realisierung der Planung sollte die Identifikation der Anwohnerinnen und Anwohner mit ihrer Grünspange erhöht und mehr Achtsamkeit und Rücksichtnahme erwirkt werden. Zudem sollte das Konfliktpotential möglichst früh erkannt und eine halbwegs akzeptable Verteilung Lärm emittierender Bereiche erreicht werden.
    Für die Beteiligung am Planungsprozess wurden fünf Treffen vorgesehen, an denen neben dem Moderator auch der Architekt bzw. Landschaftsplaner teilnahm. Zur jeweiligen Auftakt-Veranstaltung erschien auch der für bürgerschaftliches Engagement zuständige Stadtgrün-Mitarbeiter, um das Planungs- und Pädagogenteam vorzustellen und die städtischen Vorgaben zu erläutern. Mit der Planung der Grünspange 5, um die es im folgenden geht, wurde das Team mit dem Landschaftsplaner Erich Lutz, den Moderatoren Antje Kirsch und Jürgen App vom Spielmobil Freiburg sowie Reinhild Schepers für die Dokumentation beauftragt.
    Folgende Vorgaben bestimmten den Rahmen der Planungsfreiheit:
    1. Der alte Baumbestand und die Naturverjüngend sollte erhalten werden, was weitgehend auch für den Strauchbestand galt.
    2. Ein Platz mit Bänken sollte an der Fußgängerzone Vaubanallee entstehen.
    3. Wasseranschluss mit Pumpe sollte in der Nähe des Platzes und eines Sandspielbereiches installiert werden.
    4. Die Grünspange sollte durch Fußweg erschlossen werden, den auch Pflegefahrzeuge benutzen können.
    5. Der an der westlichen Längsseite verlaufende Entwässerungsgraben sollte bestehen bleiben.
    6. Die Geländegestaltung sollte Rücksicht auf den hohen Grundwasserstand nehmen.
    7. Einrichtungen, die Folgekosten verursachen, sollten möglichst vermieden werden.
    8. Die gesamte Installation sollte robust sein (Kriterium Vandalismusschutz)
    9. Die Grünspange sollte nach Fertigstellung eine öffentliche Anlage mit entsprechenden Benutzerregeln werden.

    Methoden und Ergebnisse

    Die Anwohnerinnen und Anwohner wurden per Aushang und mit persönlichem Einladungsschreiben auf die Beteiligungstermine aufmerksam gemacht. Beim ersten Treffen im Nachbarschaftszentrum des Quartiers wurden die oben genannten Vorgaben auf einer Pinnwand festgehalten und durch Overhead-Folien mit Plänen und Bildern vom Grünspangengelände ergänzt. Dann wurden Fragebögen verteilt, auf denen Kinder und Erwachsene nach Begehung des Geländes darlegen konnten, was ihnen an der aktuellen (provisorischen) Situation gefällt und was nicht und welche Nutzungen sie sich wünschen. Die Fragebögen sollten bis zum 3. Januar 2003 in einen Holzbriefkasten am Bauzaun eingeworfen werden. Wer ein Bild dazu malen wollte, konnte es in die am Zaun angebrachten Sichthüllen stecken. Von rund 60 ausgegebenen Bögen kamen 40 ausgefüllt zurück, dazu ein Dutzend Zeichnungen und Bilder.

    Das zweite Treffen mit Erwachsenen am 10.01.03 wurde als eine stark verkürzte Ideenwerkstatt im Bürgerzentrum organisiert, die von 20.15 bis 23.00 Uhr dauerte. Mehr als diese drei Stunden hätten das vorgegebene Zeit- und Finanzbudget überschritten. Die Karten mit den ängsten und Sorgen sowie den Wünschen und Ideen wurden daher nach nur kurzem Andiskutieren sortiert und durch Bepunktung von den Teilnehmenden gewichtet. So blieb noch Zeit für die Ausformulierung der vier wichtigsten Ideen in Kleingruppen. Hierbei entstanden folgende Ideenskizzen:

    - Ruhe/Kommunikation: großer Ruhebereich mit Pergolen, in dem Bänke mit Lehne, ein in den Boden eingelassenes Schachbrett und ein Brunnen als übergang zum Wasserbereich stehen.
    - Wasserlandschaft: eine gestaltete, kleinräumige Landschaft mit Wassersammelbecken, einem Wasserlauf und einem möglichst geschwungenen Weg, u.U. mit Brücke.

    - Spiel- und Bewegungslandschaft, gewünschte Elemente: ein Klettergestell, verschieden hohe Reckstangen für Kinder und Erwachsene, ein tiefer Sandbereich nicht zu weit weg von der Pumpe und evt. noch eine Nestschaukel.

    - Wildnis und gestaltete Natur: den Regenwassergraben mäanderartig verändern, Gebüsch, Igelhöhlen, eine kleine Wiese, ein Steinkreis und Findlinge, “diese Grünspange soll nicht so übersichtlich wie die anderen werden”.

    Die interessierten Kinder von 8 bis 12 Jahren konnten an einem Samstagnachmittag ihre Ideen mit Ton, Holz und anderen Materialien in kleine Modelle umsetzen. Mit den Jugendlichen wurde in Kooperation mit dem Jugendzentrum JUKS in Gesprächsgruppen ein Fragebogen ausgefüllt.
    Der Planer hat aus den vielen, zum Teil schon detaillierten Vorschlägen entsprechend den geäußerten Grundbedürfnissen der drei beteiligten Anwohnergruppen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene, wesentliche Ideen aufgegriffen und gemäß der räumlichen und finanziellen Bedingungen in einen ersten Entwurfplan eingebaut. Diesen stellte er auf der Versammlung am 24.01.03 vor. Er wurde besprochen und etwa vier Wochen später in überarbeiteter Fassung erneut präsentiert. Anwesend waren jeweils 25 bzw.30 Erwachsene und sieben Kinder.
    Der Planungsvorschlag eines Pavillons und eines Sandspielbereichs löste bei den direkten Anwohnern die Befürchtung aus, dass dort eine Lärmquelle entstehen könnte. Andere Vorschläge wie die ohrähnliche Form und Gestaltung des Platzes, die Hängemattenlandschaft, das Heckenlabyrinth und viel Grün auf hügelig modelliertem Gelände fanden allgemein Zuspruch.
    Bei einem von einigen Anwohnern gewünschten Zusatztreffen mit Ortsbesichtigung erläuterte ein Vertreter von Stadtgrün noch einmal, dass ein Sandplatz bei der hohen Anzahl von Kleinkindern im Stadtteil (fast 40 Prozent unter 12 Jahren) vorerst nicht, wie manche wünschten, wegfallen könne
    Bei einer Mitmachaktion in der Ausführungsphase haben vier Schulklassen aus dem Stadtteil, Robinienstämme für das Baumhaus geschält und Benjes-Hecken mit ästen und Zweigen aufgefüllt, Kinder und Erwachsene haben am Robinienholzturm, der “Wolkenburg", mitgebaut.

    Erfahrungen und Empfehlungen

    - Durch den Beteiligungsprozess wurde viel kreatives Potenzial freigesetzt, auch wenn dem Gestaltungsspielraum aufgrund der städtischen Vorgaben Grenzen gesetzt wurden.
    - Die an die Grünspange angrenzenden Häuser wurden im Abstand von mehreren Jahren gebaut. Bei Planungsbeginn wohnte ein großer Teil der Beteiligten bereits mehr als drei Jahre dort. Trotz Bauzaun wurde die Brachfläche von ihnen bei Planungsbeginn bereits genutzt, zum Beispiel für Komposter, für einen Sand-, Bretterhüttenbau- und Grillplatz. So musste ein Umdenken erfolgen. Bezüglich eines Grillplatzes gab es einige starke Befürworter und Gegner. Daher wurde dieser Vorschlag nicht weiterverfolgt. Zudem hätte Stadtgrün wegen der engen Bebauung keine Erlaubnis dafür gegeben.
    - Alle Grünspangen sind zu schmal für einen gewünschten Bolzplatz. Hier fand die Stadt aber im Sommer eine, wenn auch nur vorübergehende Lösung: Sie legte einen Hartplatz an auf einem noch nicht vermarktetem Grundstück am westlichen Ende, in Bahndammnähe. Dieser ist den kleineren Kindern - und ihren Eltern jedoch teilweise zu weit, zu laut und zu sonnig und es bleibt die Frage: Warum wurde nicht von vorneherein eine größere Grünspange mit Ballspielplatz geplant?
    - Für die Beteiligung an der Grünspangen-Planung war nicht ausreichend Zeit vorhanden. Mehr Vorlaufzeit wäre günstig gewesen, weil die Bewohnerschaft sehr unterschiedlich zusammengesetzt ist: “Eingesessene" und neu Hinzugezogene, Senioren und in der Mehrheit junge Familien. Sie wohnt in Miet- und Eigentumswohnungen sowie Familienreihenhäusern. Die SeniorInnen sahen sich z.B, veranlasst, ihre Bedürfnisse bei der Planung dieser letzten Grünspange stärker einzubringen und neben den obligatorischen Spielbereichen mehr Raum für Erholung und Beschaulichkeit zu fordern.


    - Vorgaben für die Planung sollten so weit wie möglich reduziert werden und gleich zu Anfang verdeutlicht, erklärt und ggf. hinterfragt werden.
    - Wenn eine vom Bevölkerungsdurchschnitt stark abweichende Altersstruktur in einem neuen Stadtteil nicht verhindert werden kann oder soll, so sollte die Gesamtplanung rechtzeitig auf entsprechende “Wellen” etwa gleichaltriger NutzerInnen öffentlicher Räume sowie das Problem der Minderheiten vorbereitet sein (40 Prozent Kinder sind in fünf bis zehn Jahren entsprechend viele Jugendliche mit ganz anderen Interessen).
    - Eine Beteiligung, die über eine Ideensammlung hinausgeht, und unterschiedliche Altersgruppen sowohl in getrennten als auch gemeinsamen Sitzungen mit einbezieht, braucht mehr als fünf zwei- bis dreistündige Treffen. Aber auch eine reduzierte Partizipation ist besser als keine, denn zu gibt den Anstoß zur Kommunikation mit Nachbarn im weiteren Umfeld, wodurch sich vielleicht auch kleinere Streitpunkte auf kurzem Wege regeln lassen.
    -Anstelle von mehreren relativ kleinen Grün- und Spielbereichen könnten sich durch eine z.B. doppelt so große Grünspange in zentraler Lage mehr Gestaltungsmöglichkeiten und voraussichtlich weniger Nutzungskonflikte ergeben, die aus dem engen Nebeneinander erwachsen.

    Reinhild Schepers

    naturConcept |  Freiburg im Breisgau | Alle Rechte bei eRich Lutz
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